Nachhaltiges Webdesign - Was ist das eigentlich?

  • 2019/07/26
  • Von: Oliver Brux
  • Oliver ist Webdesigner & Fotograf. Er lebt und arbeitet mit seiner Familie in Schwelm.

Interessierten sich 2013 einer Umfrage nach nur wenige Deutsche für Nachhaltigkeit und nachhaltige Produkte, ist das Thema 2019 längst im Mittelpunkt der Gesellschaft angekommen. Der Klimawandel lässt grüßen.

Zum Glück fangen nun immer mehr Menschen an, ihren Konsum und persönlichen CO2-Haushalt zu hinterfragen. Damit wird Nachhaltigkeit zunehmend auch für die Wirtschaft interessanter.

Jede Bank und jeder Autobauer schreibt sich auf die Fahnen nachhaltig zu sein. Es gibt nachhaltige Pflegeprodukte, die grüne Bahncard, Toilettenpapier aus Bambusfaser (wirklich gut!) und Fußballtrikots aus Plastikmüll. Alles tolle Dinge. Ob es sich dabei in vielen Fällen um reines „Greenwashing“ handelt, lasse ich erst einmal außen vor.

Es bleibt festzuhalten, dass langsam ein Umdenken in der Gesellschaft stattfindet. Und das ist gut so!

Im Folgenden möchte ich jedoch auf einen Aspekt eingehen, der mittlerweile fest zu unserem Leben gehört und der, anders als Mikroplastik und co. noch nicht so kritisch gesehen wird – das Internet. Auch das Internet verbraucht Energie und damit auch CO2.

Das Internet als Energieverbraucher

Anders als ein physisches Produkt entsteht bei einer Internetseite kein CO2 durch die Verwendung bestimmter Materialien. Dennoch produziert jeder Aufruf einer Website im Durchschnitt 6.8g CO2.

Das ist eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass wir um CO2-Neutral zu leben, laut Weltklimarat pro Jahr und Kopf nur 2 Tonnen CO2 verbrauchen dürften. Momentan stehen wir in Deutschland bei 11 Tonnen pro Kopf.

Eine Studie (2019) des schwedischen "KTH Royal Institute of Technology" besagt, dass das Internet mittlerweile für ca. 10% des weltweiten Energieverbrauchs verantwortlich ist.

Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: wir lagern immer mehr Daten in die Cloud aus. Wir nutzen Software die komplett im Browser läuft. Wir streamen Musik und Filme. Websites werden aufwendiger und datenhungriger. Alles begünstigt durch immer schnellere Internetverbindungen.

Damit möchte ich nicht sagen, dass alle diese Anwendungen per se schlecht sind. Im Gegenteil. Das Internet bietet viel nützliches und spart auch wieder CO2 ein. Ein Stichwort wäre hier das "papierlose Büro".

Wir können jedoch dafür sorgen, dass der Energiehunger des Internets nicht endlos wächst. Nur weil es möglich ist, viele Daten schnell zu laden, sollten wir trotzdem verantwortlich mit dieser Ressource umgehen.

An dieser Stelle kommt nun der Begriff des "nachhaltigen Webdesigns" ins Spiel.

Was also verbirgt sich hinter diesem Begriff? Und wie kann nachhaltiges Webdesign eine Website umweltfreundlicher gestalten?

Auf diese und weitere Fragen möchte ich im Folgenden näher eingehen.

Was bedeutet "Nachhaltiges Webdesign"?

Nachhaltiges Webdesign hat das Ziel, eine Website umweltfreundlicher umzusetzen. Je weniger Daten verbraucht werden, desto weniger Energie wird benötigt und umso geringer ist der CO2-Fußabdruck der Website.

Ich habe den Begriff "Nachhaltiges Webdesign" in die sechs Unterpunkte "Webhosting, Webdesign, Seitenarchitektur, Webentwicklung, Datenverbrauch, und Herstellung unterteilt um ihn im Detail zu erklären:

  1. Nachhaltiges Webhosting. Nachhaltige Websites sollten CO2-neutral gehostet werden. Ob Ihre Website mit nachhaltiger Energie betrieben wird, können Sie bei der Green Webfoundation überprüfen. Im Jahr 2019 gibt es keinen Grund mehr, seine Website nicht CO2-neutral zu hosten.
  2. Nachhaltiges Webdesign. Das Design einer Website ist dann nachhaltig, wenn es möglichst zeitlos und langlebig gestaltet wurde. Kurzfristige Trends sollten vermieden werden. Nachhaltiges Design berücksichtigt Aspekte der Ästhetik, Funktionalität, Nutzerfreundlichkeit und der Ökologie gleichermaßen.
  3. Seitenarchitektur. Die Navigation einer Website sollte einfach und zielführend sein. Je schneller ein User zum Ziel kommt, desto besser.
  4. Nachhaltige Webentwicklung. Je sauberer eine Website programmiert wurde, desto schneller und energieeffizienter kann sie geladen werden. Eine nachhaltige Website sollte unabhängig von externen Services funktionieren. Externe Services könnten abgeschaltet werden und somit die Website unbrauchbar machen. Je mehr Ressourcen selbst gehostet werden desto geringer ist die Abhängigkeit.
  5. Nachhaltig im Datenverbrauch. Eine Website, die weniger Content lädt, produziert weniger CO2 bei einem Aufruf. Nutzen Sie immer nur die Daten, die sie wirklich für die Übermittlung Ihrer Informationen brauchen. Die Optimierung von Bild- und Videodaten hilft dabei, den Energieverbrauch einer Website deutlich zu reduzieren.
  6. Nachhaltige Herstellung. Der Herstellungsprozess einer Website sollte so CO2 neutral wie möglich ablaufen.

Welche Vorteile bietet nachhaltiges Webdesign?

Im Gegensatz zu vielen anderen Bereichen, in denen nachhaltigen Produkten (oft fälschlicher Weise) nachgesagt wird nicht so leistungsstark wie ihre energiehungrigen Kollegen zu sein, verhält es sich bei nachhaltigen Websites genau umgekehrt.

Nachhaltige, und damit auch umweltfreundliche Websites, haben einen immensen Vorteil: Deutlich schnellere Ladezeiten.

Das kommt daher, dass umweltfreundliche Websites deutlich weniger Ressourcen im Sinne von CSS, Javascript, Bildern und Videos verbrauchen. Optimierte und damit auch kleinere Dateigrößen bedeuten im Umkehrschluss schnelle Ladezeiten.

Schnelle Ladezeiten fördern nicht nur die Nutzerzufriedenheit (jeder mag schnelle Webseiten), sondern sorgen vor allem auch für einen besseren SEO-Erfolg Ihrer Webseite.

Eine Google Studie aus dem Jahr 2016 besagt, dass 53% der Besucher eine Webseite wieder vorzeitig verlassen, wenn diese länger als 3 Sekunden zum laden braucht. 3 Sekunden sind nicht lang!

Wie schnell und performant Ihre Website lädt können Sie ganz einfach auf der Seite Google PageSpeed Insights überprüfen.

Seit 2018 ist die Ladezeit einer Website ein wichtiger SEO-Faktor für das Ranking bei Google. Je schneller eine Website lädt desto besser wird diese bei Google gelistet. Unterschätzen Sie also nicht den Wert einer guten Website-Performance für den Erfolg Ihres Business.

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass es fahrlässig ist, auf die Vorzüge, die nachhaltiges Webdesign bietet, zu verzichten.

Sie schonen mit einer nachhaltigen Website nicht nur die Umwelt, sondern können als positiven Nebeneffekt auch noch die Performance Ihrer Website verbessern. Das freut den Kunden und verbessert somit auch Ihren Erfolg.

Sie haben weitere Fragen zu nachhaltigem Webdesign oder wünschen eine Beratung bezüglich der Performance Ihrer Website? Gerne helfe ich Ihnen dabei Ihre bestehende Website zu analysieren. Sprechen Sie mich an, ich berate Sie gerne persönlich.

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